Die geplante Höchstgrenze von 1’577 Taxpunkten pro Arbeitstag sorgt derzeit in der Ärzteschaft für Diskussionen. Dahinter steckt eine Frage, die auch für Patienten wichtig ist: Was bedeutet „Zeit“ im TARDOC eigentlich?
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Kurz gesagt Bei einer Zeitleistung zählt grundsätzlich die tatsächlich benötigte Zeit. Bei einer Handlungsleistung kann dagegen eine pauschale Durchschnittszeit – die sogenannte Minutage – hinterlegt sein. Deshalb muss die tarifliche Zeit nicht exakt der mit der Uhr gemessenen Behandlungsdauer entsprechen. |
Warum sprechen Ärzte gerade über 1’577 Taxpunkte?
Die Tarifpartner FMH, H+ und prio.swiss haben für die Tarifversion 2027 ein Konzept eingereicht, das die ärztliche Leistung im TARDOC begrenzen soll. Vorgesehen sind durchschnittlich höchstens 1’577 Taxpunkte der ärztlichen Leistung (AL) pro Arbeitstag – gerechnet über einen ganzen Kalendermonat.
Wichtig: Das ist noch keine definitiv genehmigte Regel. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) prüft den Antrag. Ein Entscheid wird nach aktuellem Stand im vierten Quartal 2026 erwartet.
Die Grenze betrifft nur den ärztlichen Anteil AL im TARDOC zulasten der Grundversicherung. Infrastruktur- und Personalleistungen (IPL), ambulante Pauschalen sowie bestimmte Notfall-, Dringlichkeits- und Berichtsleistungen werden nach dem eingereichten Konzept nicht in die Punktesumme einbezogen.

Die 1’577 Punkte sind kein starres Tageslimit. Entscheidend ist der Durchschnitt über die effektiven Arbeitstage eines Kalendermonats.
Eine Minute ist im TARDOC nicht immer dieselbe Art von Minute
TARDOC unterscheidet zwei grundlegende Leistungsarten. Genau dieser Unterschied erklärt, weshalb die Dauer auf der Uhr und die tarifliche Zeit auseinanderliegen können.

Zeitleistung: Die tatsächlich benötigte Zeit wird erfasst, soweit die Regeln und Limitationen der Position eingehalten werden. Viele Zeitleistungen laufen im TARDOC im 1-Minuten-Takt.
Handlungsleistung: Für eine definierte Untersuchung oder Prozedur ist eine pauschale Durchschnittszeit hinterlegt. Die FMH bezeichnet diese Zeit als Minutage. Für die Erfassung der Position ist der individuell gemessene Zeitaufwand deshalb nicht das entscheidende Kriterium.
Beispiel: 20 Tarifminuten, obwohl die Untersuchung 16 Minuten dauert
Angenommen, eine vollständige Handlungsleistung ist mit einer durchschnittlichen Minutage von 20 Minuten bewertet. Ein erfahrener Arzt führt dieselbe Untersuchung bei einem unkomplizierten Patienten korrekt in 16 Minuten durch.

Die Tarifposition muss dadurch nicht automatisch auf 16 Minuten reduziert werden. Die 20 Minuten sind eine Durchschnittszeit für die definierte Leistung – keine Stoppuhrmessung des einzelnen Termins.
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Wichtig bei sehr grossen Abweichungen Die FMH nennt bei Handlungsleistungen einen möglichen Effizienzgewinn von ungefähr 20 Prozent. Wenn eine 20-Minuten-Leistung systematisch in nur 10 Minuten erledigt würde, wäre das eine Abweichung von 50 Prozent. Das ist nicht einfach als „normaler Effizienzgewinn“ zu erklären; dann müsste vielmehr geprüft werden, ob die hinterlegte Minutage oder die verwendete Tarifposition noch sachgerecht ist. |
Warum können effiziente Ärzte die Höchstgrenze schneller erreichen?
Die Taxpunkte der ärztlichen Leistung entstehen unter anderem aus der hinterlegten Minutage und einem Minutenkostensatz. Eine hohe Minutage führt deshalb dazu, dass bei derselben Anzahl Behandlungen schneller mehr AL-Taxpunkte zusammenkommen.
Die FMH weist selbst darauf hin, dass effizientes Arbeiten bei Handlungsleistungen einen gewissen Zeitgewinn ermöglichen kann. Dadurch kann die tariflich abgebildete Leistung eines Tages höher sein als die reine Zeit, die man mit einer Stoppuhr am Patienten messen würde.
Genau deshalb ist die aktuelle Diskussion komplizierter als die Aussage „Ärzte dürfen nur noch zwölf Stunden arbeiten“. Die vorgeschlagene Limite bezieht sich auf tariflich bewertete ärztliche Leistungen – nicht auf die gesamte tatsächliche Arbeitszeit einer Ärztin oder eines Arztes.
Was bedeutet das für deine Arztrechnung?
Wenn du weniger lange in der Praxis warst, als eine Tarifposition an Minutage enthält, ist die Rechnung deshalb nicht automatisch falsch. Entscheidend ist zuerst, welche Art von Leistung abgerechnet wurde.

Bei Zeitleistungen: Passt die verrechnete Anzahl Minuten ungefähr zu dem, was tatsächlich gemacht wurde?
Bei Handlungsleistungen: Passt die beschriebene Untersuchung oder Prozedur zu deiner Behandlung? Eine Abweichung zwischen Minutage und tatsächlicher Dauer kann tarifbedingt sein.
Wenn etwas nicht plausibel ist: Frag konkret nach der Tarifposition, ihrer Leistungsart und der Bedeutung der Anzahl beziehungsweise Minutage.
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Claromed-Merksatz Tarifzeit ist nicht automatisch Behandlungszeit. Eine Rechnung lässt sich erst sinnvoll beurteilen, wenn klar ist, ob eine Position zeitbasiert oder als definierte Handlungsleistung abgerechnet wird. |
Fazit
Die geplante 1’577-Punkte-Grenze macht sichtbar, wie technisch ärztliche Leistungen im TARDOC bewertet werden. Für Patienten ist vor allem wichtig: Eine kürzere Behandlungsdauer allein beweist noch keinen Abrechnungsfehler. Gleichzeitig sollten zeitbasierte Leistungen und auffällige Abweichungen nachvollziehbar sein.
Wer seine Rechnung kontrollieren möchte, muss deshalb nicht jede Tarifregel kennen – aber verstehen, welche Art von Leistung hinter einer Position steckt.
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Du verstehst eine Position auf deiner Arztrechnung nicht? Claromed übersetzt Tarifpositionen und Rechnungsangaben in verständliche Sprache. So kannst du besser erkennen, was verrechnet wurde und welche Fragen du bei Praxis oder Versicherung stellen kannst. |
Quellen
Bundesamt für Gesundheit BAG: Informationen zur Höchstgrenze für verrechenbare Taxpunkte pro Arbeitstag
FMH: Höchstgrenze der ärztlichen Leistungen im TARDOC
FMH: Tarifierungsgrundsätze: Handlungs- und Zeitleistungen
OAAT: TARDOC-Glossar: Minutage, Leistungsart und Kostensatz
Medinside: Öffentliche Diskussion zur Taxpunkt-Limite und Tarifzeit
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt das Tarifsystem allgemein und ersetzt keine rechtliche, medizinische oder versicherungsrechtliche Beurteilung einer konkreten Rechnung.